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14. April 2011
Zur ministeriellen Eingliederung von Hochschulangelegenheiten ins Wirtschaftsministerium

Die Hochschulgruppe des SDS.Die Linke Magdeburg und die Linksjugend ['solid] warnen die designierte Landesregierung aus CDU und SPD davor, den Hochschulsektor Wirtschaftsinteressen unterzuordnen. Hochschulbildung und Forschung an den Hochschulen darf keinesfalls bedingt sein durch marktwirtschaftliche Logik. Dies hätte fatale Folgen für sämtliche Disziplinen, die keinerlei oder nur geringen marktwirtschaftlichen „Nutzen“ mit sich bringen. Wenn das Primat der Hochschulpolitik sein soll, möglichst in jene Bereiche zu investieren, die einen schnellen und unmittelbaren Profit versprechen, dann lehnen wir das entschieden ab und kündigen schon jetzt Proteste an!

Die Begründung dieser Entscheidung durch die CDU, Ressourcen des Wirtschaftsministeriums nutzen zu wollen, um die Hochschulen zu stärken, entbehrt jeglicher Grundlage. Nicht das Ministerium birgt ein Reservoir an Ressourcen, von dem die Hochschulen angeblich profitieren würden, sondern andersherum. An den Hochschulen wird der Grundstein für die Zukunft gelegt. Dort, wo Grundlagenforschung eine Chance hat und geduldig begleitet, unterstützt, gefördert wird, können wissenschaftliche Potentiale entstehen, die von gesellschaftlichem UND wirtschaftlichem Nutzen sind. Im Gegensatz dazu stirbt kreatives und schöpferisches Vermögen, wenn der schnelle Erfolg, um nicht zu sagen Rendite, oberste Prämisse ist.

Schon jetzt sind die technisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten diejenigen, welche die mit Abstand besten Studienbedingungen anbieten können, welche eine Förderung erfahren, die sich manch geisteswissenschaftliche Disziplin nie zu erträumen wagen würde. Diese Asymmetrie wird in unseren Augen in erheblichem Maße verschärft. Es darf nicht sein, dass sozial-, erziehungs- und geisteswissenschaftliche Disziplinen in diesem Szenario abgekanzelt werden, es darf nicht so weit kommen, dass diese für gesellschaftlichen Fortschritt so unerlässlichen Wissenschaften für ihre Daseinsberechtigung kämpfen müssen. Das haben schlussendlich auch nicht die Studierenden verdient!

Die Stärken einer Wissensgesellschaft liegen in der Breite ihres Angebots. Die Interdisziplinarität der Wissenschaften führt zu neuen Erkenntnissen, die uns bestimmte Prozesse und Entwicklungen erklärbarer machen. Die marktradikale Ausrichtung ganzer Hochschulen zerstört diese Synergien; der dadurch angerichtete Schaden wäre immens. Eine Bildungslandschaft, die nur auf ökonomischen Befunden fußt, ist zum Scheitern verurteilt. Sie wird einen erheblichen Verlust an gesellschaftlichem Wissen verkraften müssen – und alles zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Kontext der Globalisierung?

Wir fordern die Koalitionäre auf, von diesen Überlegungen Abstand zu nehmen, die quasi im Nebensatz kommuniziert werden, aber doch so einschneidend sind, dass sie eine Zäsur im Bildungssystem darstellen würden, deren Folgen nicht kalkulierbar sind. Gerade vor dem Hintergrund des Wahlkampfs, in dem davon nicht der Hauch einer Rede war, empfinden wir diese Pläne als Verrat an den Wählerinnen und Wählern.Aber Themen, die nicht erwähnt werden und später auf die Agenda geraten, sind ja keine Lügen oder nicht eingehaltenen Wahlversprechen, nicht wahr?

rf